Glaube. Liebe. Hoffnung. 2021/22
Textildruck und Acrylfarbe auf Leinen, rotes Garn - Nachthemden unserer Urgroßmutter, die Hände unserer Großmutter.
Weitgehend verbreitete (theologische) Tugenden prägen seit Generationen das alltägliche Leben in vielerlei Hinsicht.
Ich möchte hier explizit nicht nur den christlichen Kontext bedienen, sondern eine politische Auseinandersetzung mit unserem aktuellen Wertekompass bearbeiten und vielleicht auch provozieren. Über 100 Jahre alte Nachhemden aus unserer Familie, die in ihrer Ausprägung mit Muster, Signets und Schnitt an sich schon Spiegel und Ausdruck von „Tugenden“ waren, dienen als Bühne für eine bildhafte bzw. exemplarische Entwicklung unserer Werte.
Tugenden wurden schon immer auch zur Schau gestellt – im privaten wie im öffentlichen Raum. Auch heute mit Dessous, „gebrandedten“ Unterhosen, Tattoos oder als Mottos an der Schlafzimmerwand. Werte werden durch Frauen geprägt. Daher auch Nachthemden, die weibliche Vorfahren getragen haben und die Arme unserer Großmutter.
Aber die Werte bzw. deren Status in der Gesellschaft und auch deren Attribute lösen sich gerade auf. Dies führt zu Orientierungslosigkeit, Chaos und Gewirr. Unsere Grundfesten der Gesellschaft wie die Demokratie sind dadurch in Gefahr und auch andere globale Probleme entstehen in diesem Kontext. So stelle ich mir die Frage: Wie kann man hier neue Werte definieren oder alten Werten eine neue Relevanz, ein neues Gewand geben. Wie können wir den Faden wieder aufnehmen und Lösungen finden…?
Weingold - 2021
Weinetiketten, Draht, Weinkisten, Moos, vergoldete Insekten aus dem Keller
In den Räumlichkeiten der alten Weinhandlung interpretiere ich Wagners Oper Rheingold. Mythos und Ort nähern sich einander an. Zwei Figuren aus der Oper werden mit Mitteln des Ortes dargestellt: die Bühne aus Weinkisten, die Gewänder und Gestalten aus alten Etiketten und Moos. Selbst das kostbare Schmuckstück der Freia ist aus goldgefärbten Insekten, die ich vor Ort gefunden habe. Es entsteht ein fiktives Bühnenstück mit Bezug zum Ort. Über verschiedene ortsspezifische Werkstoffe findet eine Annäherung und Verortung statt. Eine spielerische Herangehensweise und die Umsetzung der Mythen vor Ort findet sich auch im Titel des Werkes „Weingold“ wieder. Der Ort bestimmt mit seinen Gegebenheiten die Interpretation des Mythos mit. Fast frei nach Shakespeare `Die ganze Welt ist eine Bühne`.
Morgens, Mittags, Abends, Nachts - 2020
Bleistift, Draht, Fotografie, Medikationsdosen, Einzelformat 4,5x10,5x1,5cm, Serie fortlaufend
Struktur, Ordnung, Lebenslauf. Eine Charakterisierung, ein Porträt wird auf elementare Momentaufnahmen und Symbole reduziert. Gleichzeitig verstecken sich aber auch neue Aspekte in den Elementen und ergänzen das Porträt.
Alltagsspione - 2019
Acrylmalerei auf alten Vorhängen hinter Fensterglas, Serie
Alltägliche Überwachung ist zeitlos und gehört bis zu einem bestimmten Grad zu unserer Kultur. Geprägt von Neugierde und dem Drang der „Mitwisserschaft“ werden die Nachbarschaftsräume überwacht. Beobachtungen hinter dem Vorhang sind ein essentieller Bestandteil in der kleinstädtischen Kultur. Die Grenze zwischen aufeinander Aufpassen und Überwachen ist fließend. In der urbanen Anonymität verschwindet dieses „Aufpassen“ mehr und mehr und wir durch Technik zu unpersönliches, perfektioniertes Überwachen.
Altes Leinen - 2019
genähte Ölgemälde, ca. 40x60x2cm, Serie
Leinen war in vergangener Zeit wichtiger Bestandteil der Aussteuer einer Frau. Die zum Teil hundert Jahre alten Leinwände schmückten für Generationen die Wohnräume von längst verstorbenen Menschen. Mittlerweile fast wertlos habe ich sie auf Flohmärkten und aus Nachlässen zusammengesucht und ihnen eine neue, "wertvolle" Funktion gegeben.
Müller - 2019
Acryl-, Mehlmalerei auf alten Mehlsieben, Serie
Die Mehlsiebe waren elementare Arbeitsgeräte für die Müller. Ich habe in der Serie eine ganze Dynastie von Müllern der mittelfränkischen Familie Wehr porträtiert. Die jahrelange, tägliche Arbeit mit dem Mehl und den Werkzeugen hat Spuren des jeweiligen Müllers auf seinem Sieb hinterlassen.
Bundesbank - 2008
beuys should not only be boys
Meine Arbeit ist die längst fällige weibliche Antwort auf Beuys legendären Filzanzug. Überdies wird mit der weiblichen Interpretation das „energetisch aufgeladene“ Material des Kostüms zum scheinbaren Sinnbild des Kapitalismus. Ganz im Sinne von Beuys These: „Das eigentliche Kapital ist die kreative und schöpferische Kraft eines jeden Menschen. Kunst gegen Kapitalismus.“
Das Kostüm ist Ergänzung zum Möbelstück Bundesbank und zu den 20 Geldsäcken, die jeweils mit dem Konterfei von ehemaligen und amtierenden Bundesbänkern bedruckt sind. Als Material für jedes der Objekte dienten ausgediente Transportsäcke der Bundesbank.
Berufswäsche - 2005
umgenähte Berufskleidung
Berufskleidung ist an sich genormt und unemotional. Mit meiner Arbeit nähere ich mich dem Thema in einer "reizvollen" und definitiv ungenormten, unpraktischen Form.